Gebet am Meer

Welle für Welle sucht ihren Weg ans Ufer, dort, wo Wasser und Erde sich im Spiel vereinen. Ruhe streichelt meine Seele, hüllt sie ein, lässt sie entspannen. Meine Gedanken kommen und gehen – kommen und gehen wie die Wellen des Meeres. Ich lasse sie los, schicke sie mit dem Wasser zurück ins Meer.

Und dann merke ich: ich bin nicht mehr allein. Du, Vater, bist bei mir. Leise und vorsichtig hast du dich neben mich gesetzt. Ich hab gar nicht gemerkt, wie du gekommen bist. Hat dich eine Welle zu mir gebracht? Ich glaub es fast. Denn oft kommst du zu mir wie die Wellen: Vorsichtig, leise, unbemerkt. Dann umspült mich zärtlich dein Meer der Liebe, dann spür ich deinen leichten Wind in meinem Herzen.

Doch weißt du was, Vater?! So wie das Meer manchmal stürmisch sein kann, so hoch seine Wellen auch schlagen können, so tauchst auch du plötzlich auf. Wie ein Orkan fegst du durch meine Seele, wirbelst alles durcheinander, um dann wieder zu gehn.

Gehn? Nein – du gehst nicht! Du bleibst! Wirst wieder zu dieser kleinen, leichten Welle, die mich zart berührt.

Was willst du, Vater? Warum dieses Chaos? Wieso dieser Orkan in mir? Brauch ich diese Stürme, die du mir immer wieder schickst?

Ja! Ja, ich brauche sie! Ja, ich will sie! Ich will sie, weil sie mich wachrütteln, weil sie mich antreiben, weil sie mich nicht stehenbleiben lassen. Und ja, Vater, manchmal sehn ich mich nach deinen Stürmen, sehne mich nach dem Orkan deiner Liebe.

Moni Glombitza

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