Guter Gott!
Wenn alle Dämme brechen,
Werte sich verkehren,
alles ins Wanken gerät
was mir bisher lieb und teuer,
wichtig und wertvoll war,
dann brauche ich dich umso mehr,
damit du meinem Leben Richtung gibst,
wie ein roter Faden,
der mir bei der Orientierung hilft.
Nicht hin und her geweht wie eine Fahne im Wind,
sondern aufrecht und selbstbewusst
will ich durch mein Leben gehen – mit dir.
Gott, du bist Liebe und Güte
Gott, du bist Liebe und Güte,
ich bin unbeherrscht,
habe mich nicht im Griff.
Gib mir Mut, mich zu entschuldigen,
und die Kraft, das wieder gutzumachen,
was ich zerstört habe!
Gott, du meine Stärke
Gott, du meine Stärke!
Danke für das Glück, das ich habe!
Danke, dass mein Können zum Erfolg geführt hat!
Halte mich in deiner Liebe und lass mich über mich selbst hinweg die anderen sehen!
Dieser Tag, Herr, geht zu Ende
Dieser Tag, Herr, geht zu Ende.
Dankbar lege ich alles in deine Hände.
Jede Begegnung, jedes Lächeln,
meine Fragen,
meine Arbeit, mein Mühen
und mein Versagen.
Jeden meiner Schritte,
Freude und Schmerz,
meine Gedanken, mein Wollen,
mein ganzes Herz.
In deine Liebe schließ alles ein.
Lass mich bei dir geborgen sein.
© Irmgard Erath
Ich rege mich auf
Ich rege mich auf über
einen verregneten Tag,
ein ödes Fernsehprogramm,
einen unberechtigten Elfmeter,
eine schlechte Beurteilung,
ein umfangreiches Projekt auf der Arbeit,
nervende Kollegen,
uneinsichtige Chefs,
andersartige Mitmenschen.
Andere klagen über
unzureichende Ernährung,
unmenschliche Arbeit,
ernüchternde Zukunftsaussichten,
mangelnde Zuneigung,
chronische Schmerzen,
zermürbende Einsamkeit,
bittere Armut,
verzehrende Heimatlosigkeit,
himmelschreiende Unrecht.
Gott, wie groß ist die Kluft geworden
zwischen ihnen und mir,
dass ich dem Dank die Klage vorziehe
und die Augen vor dem verschließe,
was wirklich drängt in unserer Welt.
Gott, ja mein Gott
Gott, ja mein Gott!
Es ist unvorstellbar, es geht mir so gut!
Ich danke dir für mein Leben,
für all das Schöne und Gute,
das ich erlebe.
Lass mich überströmen auf andere
und deren Leben beglücken!
Herr, ich bitte dich
Herr, ich bitte dich:
Nimm die Vorurteile aus unseren Herzen,
damit wir überwinden, was uns trennt.
Nimm die Ängste aus unseren Herzen,
damit wir einander vertrauen.
Nimm die Gleichgültigkeit aus unsere Herzen,
damit deine Liebe uns einen kann.
Mein Gott, Jesus!
Mein Gott, Jesus!
Verlangst du wirklich von mir,
immer wieder zu verzeihen;
die rechte Wange hinzuhalten,
wenn auf die linke geschlagen wurde;
dem Schwachen hinterherzulaufen,
um ihm Beistand anzubieten;
Vertrauen zu fassen, so blind,
wie ein Kind Vater und Mutter anhängt?
Das kann doch nicht mehr gelten heute!
Das kannst du doch nicht im Ernst erwarten!
Das darf doch nicht wahr sein!
Das geht doch heute nicht mehr!
Warum eigentlich nicht?
Gott, Güte!
Gott, Güte!
Du siehst mich an
und ich fühle Sonne auf meiner Haut.
Ich fühle Liebe in mir
und ich bin so dankbar,
dir, dem Allmächtigen.
Herr, ich bin müde
Herr, ich bin müde.
Ein langer Weg liegt hinter mir.
Ich fühle, dass das,
was mein Zuhause war,
mir nicht für immer Heimat sein kann.
Herr, ich bin müde.
Und doch fühle ich den Halt,
den der Glaube mir gibt.
Ich spüre die Kraft,
die von der Hoffnung ausgeht.
Ich fühle die Zärtlichkeit,
mit der deine Liebe mich führt.
Herr, dafür danke ich dir.
© Irmgard Erath