Aschermittwochgebet

Ist das Leben nicht wie ein buntes Kostüm,
aus lauter Flicken zusammengesetzt,
welches ein Clown zur Show einst trug?
Müde, der lustigen und traurigen Späße,
legt er die Verkleidung nun ab,
die Vorstellung ist aus und vorbei.

Jeder Flicken zeugt von einer Episode,
einer bunten Palette vieler Geschichten,
die von Freud und Leid erzählen.
Doch wen interessiert ein abgelegtes Kleid?
Bastelt nicht jeder selbst am Flickenkostüm
seines eigenen Lebens und wird meist nie fertig?

Flicken sind Reststücke von Kleidern,
getragen in guten und in schlechten Zeiten.
Himmelhoch jauchzend … zu Tode betrübt,
schwelgte der Clown im Glück der Liebe,
weinte oft enttäuscht bittere Tränen,
und manche zum Abschied geliebter Menschen.

Fragt sich der Clown nun ohne Kostüm,
wenn er nackt vor dem Spiegel steht:
„War ich das bunte Flickenkostüm
welches ich trug, mich gut kleidete,
jetzt alt, zerzaust vor mir am Boden liegt
oder ist da mehr von mir gewesen?“

Wohl dem, der die Gnade hat zu erkennen,
Gott ist mein ewiges, mein unendliches Leben.
Als Bewusstsein schuf ich mir das bunte Kleid,
das äußere Flickenkostüm meiner Erfahrungen.
Ich lege es ab, sage Dank dem himmlischen Vater,
das war mein Leben, bereit, zu dir zurückzukehren.“

AMEN

Margrit Seelig de Boll

Vielen Dank für die Zusendung dieses Gebets.

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