Wir bewundern St. Martin

Wir bewundern St. Martin,

kaufen uns eine Laterne, eine Fackel, Brezel, folgen dem Martinsspiel,
mit Kapelle und Pferd ziehen wir durch die Straßen, singen,
hin zum Feuer, Bratwurst und Punsch.
Wirklich bewundere ich die St. Martins unsere Zeit.
Jene, die ihren Mantel teilen, ihre Zeit, ihre Liebe,
ihr Land, ihre Überzeugung, mit denen, die nichts haben.
Ich bewundere die St. Martins unserer Zeit, die helfen,
ohne an Profit zu denken, die Hände reichen, die die eine Überzeugung haben,
die, die Seele des Menschen sehen, nicht die Nationalität.
Ich bewundere die St, Martins unserer Zeit, die sich mutig für ein besseres Leben,
eine bessere Gesellschaft, für mehr Liebe und Achtung einsetzen.
Noch heute könnte ich beschließen,
diesem schönen Brauch wieder mehr Sinn zu geben.
Wie St. Martin können ich werden, jeden Tag
meinen Mantel teilen, meine Liebe, meine Achtung,
meine Zeit, meinen Respekt, meine Aufmerksamkeit –

auch dann, wenn grad keine Kapelle fröhliche Martinslieder spielt.

© Dagmar Ender

Gefangen im Alltag

Lieber Gott,

häufig mache ich Tag für Tag dasselbe. Morgens zur gleichen Zeit aufstehen, frühstücken, im Büro beginnt der Morgen mit dem Lesen der E-Mails und so weiter und so weiter. Das führt bei mir oft dazu, dass mich dieser Alltag gefangen hält und mich nicht offen sein lässt für Neues. Hilf mir aus diesem Alltag auszubrechen, offen zu sein für diese Welt, die Menschen, denen ich täglich begegne und oftmals keine Beachtung schenke.

© Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer

Zweifel

Lieber Gott, immer wieder zweifele ich an dir. Gibt es dich wirklich? Wenn ja, warum sehe ich dich nicht? Warum gibt es dann dieses ganze Unheil auf dieser Welt? Menschen, die anderen Menschen furchtbare Dinge antun? Und dann gibt es so viele Momente in denen ich überhaupt nicht zweifle, dass es dich gibt. Ich danke dir für diese Momente.

Massenschießerei in Texas

Wieder sind in Amerika zahlreiche Menschen durch Schusswaffen gebraucht verstorben. 26 Menschen hat der Täter getötet. Lieber Gott, wir beten heute für all die Menschen, die bei diesem Anschlag am Sonntag verstorben sind. Ebenso möchten wir auch an all jene Menschen denken, die einen lieben Menschen bei diesem Anschlag verloren haben. Nimm die Toten auf in dein Reich und trockne die Tränen aller anderen.

Wenn ich an deinem Grab stehe

Wenn ich an deinem Grab stehe,
ist es ein bisschen wie früher.
Ich denke darüber nach, was Du wohl sagen würdest,
in Gedanken höre ich Deine Stimme,
zumindest versuche ich mich so gut wie möglich zu erinnern.
Ich denke an unseren letzten Kontakt,
das letzte Lachen, Weinen, den letzten Rüffel.
Ich versuche mir vorzustellen, was Du wohl machst,
in Gottes Ewigkeit, an die wir beide glauben
und ich hoffe, dass Deine Zeit so grandios ist, dass ich es mir nicht vorstellen kann.
Manchmal spüre ich, dass Du an mich denkst,
immer dann, wenn mir wohlig warm wird und ich mich getragen fühle.
Wenn ich an Deinem Grab stehe, ist es ein bisschen wie früher,
nur inniger, friedlicher und ruhiger.

© Dagmar Ender

Auch heute

auch heute vertraut sich die liebe mir an
auch heute werden mich viele in ihr herz schließen
auch heute holt das glück mich ein
auch heute rettet die angst mir das leben
auch heute zerknirsche ich dein herz
auch heute schenkst du mir vergebung
auch heute geht die zeit nicht zu ende
auch heute lege ich alles in deine hände
auch heute schüttelst du den staub von meinem herzen
auch heute ist dein liebeswort stärker als alle tode

© Michael Lehmler